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Ein Teil von mir will. Ein anderer will genau das Gegenteil.

Autorenbild: Julia Jackowski
Julia Jackowski
vor 3 Stunden
3 Min. Lesezeit

Kennst du das? Du denkst über eine Entscheidung nach und merkst: Ein Teil von dir möchte es unbedingt. Und gleichzeitig gibt es da einen anderen, der genau das Gegenteil möchte. Fast wie in einer Diskussion liefern dir beide jeweils Gründe für die eine oder andere Richtung.


Ein Teil sagt:

„Mach es.“


Der andere:

„Auf gar keinen Fall.“


Und du, du weißt selbst nicht mehr, was davon eigentlich dein „echtes“ Wollen ist.


Genau das ist Ambivalenz. Nicht nur: Ich weiß, was ich will, aber etwas in mir hält mich davon ab. Sondern auch: Gerade will ich beides. Und ich weiß nicht, wie beides zusammenpassen soll.


Wenn wir die Spannung möglichst schnell loswerden wollen

Diese innere Zerrissenheit kann unglaublich anstrengend sein. Denn zwei gegensätzliche Impulse gleichzeitig zu spüren, bedeutet auch, für den Moment mit einer gewissen Unsicherheit zu leben. Und irgendwann möchtest du vielleicht einfach, dass es aufhört.


Dann entscheidest du dich. Du sagst zu. Oder ab. Du terminierst das Gespräch. Oder verschiebst es. Du gehst einen Schritt nach vorn. Oder ziehst dich zurück.


Und für einen Augenblick ist es leichter. Du kannst durchatmen. Die Spannung lässt nach.


Doch nicht jede Entscheidung, die Erleichterung bringt, ist deshalb auch eine Entscheidung, die sich nachhaltig richtig anfühlt.


Manchmal entscheiden wir uns nicht für eine Richtung, weil wir wirklich von ihr überzeugt sind. Manchmal merken wir erst später, dass die Entscheidung weniger aus Klarheit entstanden ist als aus dem Wunsch, die Spannung nicht mehr aushalten zu müssen.


Ambivalenz aushalten

Vielleicht beginnt die eigentliche Veränderung deshalb nicht mit einer Entscheidung. Sondern damit, die Spannung zwischen den beiden Polen einen Moment länger zu halten. Im Coaching ist für mich deshalb eine zentrale Frage:


Kann ich diesen Widerspruch gerade annehmen?


Und wenn die Antwort Nein lautet, auch das nicht zum nächsten Problem werden zu lassen, sondern zu fragen:


Kann ich annehmen, dass ich den Widerspruch gerade nicht annehmen kann? Kann ich einen kleinen Teil davon da sein lassen, ohne ihn sofort auflösen zu müssen? Und wenn es erstmal 10 Prozent sind?


Nicht, weil Ambivalenz plötzlich etwas Angenehmes ist. Sondern weil du nicht alles, was gerade in dir und um dich herum passiert, sofort verändern kannst und musst.


Sicherheit bedeutet nicht Eindeutigkeit

Und genau deshalb wird die Frage nach Sicherheit so wichtig. Denn wir verwechseln Sicherheit leicht mit Gewissheit.


Sicherheit kann jedoch insbesondere bedeuten, dass ich aushalten kann, noch nicht zu wissen, was richtig ist. Wenn ich einen inneren Widerspruch wahrnehmen kann, ohne sofort eine Seite wählen zu müssen. Dafür kann es hilfreich sein, mit beiden vermeintlich widersprüchlichen Teilen ins Gespräch zu kommen:


Was brauche ich gerade, damit ich nicht sofort handeln muss?

Was brauche ich, damit ich mich nicht sofort zurückziehen muss?

Was würde mir helfen, diese Spannung ein kleines bisschen besser auszuhalten?


Wenn wir einen inneren Widerspruch nicht mehr sofort auflösen müssen, kann sich etwas verändern. Aus der Frage „Wie werde ich dieses Gefühl wieder los?“ wird dann „Was möchte ich wirklich?“


Und die Antwort ist anfangs wahrscheinlich immer noch nicht eindeutig. Aber du kannst beginnen, einen Unterschied zu spüren: zwischen einer Entscheidung, die aus innerem Druck entsteht, und einer Entscheidung, die sich trotz Unsicherheit stimmig anfühlt.



Julia Jackowski ist systemische Coachin und Beraterin. Sie begleitet Selbstständige und Führungskräfte dabei, wiederkehrende Kommunikations-und Verhaltensmuster zu verstehen und zu verändern. Julia arbeitet deutschlandweit und online sowie in ihren Praxisräumen in Bremen. In ihrem Blog schreibt sie über Fragen, die ihr in ihrer Arbeit mit Menschen immer wieder begegnen.

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